Technologiehaus Stadtgut

Feste Zeichen, die dem Wandel der Zeiten trotzen.

Die Zeit verrinnt und nichts bleibt, wie es war. Doch während die Kerne historischer Städte die Zeugnisse der Vergangenheit kraft ihrer höheren Dichte verteidigen, nimmt die Strömung an den locker geformten Rändern einiges mit.

Es ist dem in Steyr ansässigen Architekturbüro Hertl.Architekten deshalb hoch anzurechnen, dem in Erinnerung an seine einstige Bestimmung immer noch so genannten Stadtgut ein Zei-chen bewahrt zu haben. Es beschwört eine landwirtschaftlich dominierte Epoche eindrucks-voll und ist dennoch mit großer Selbstverständlichkeit im Zeitalter der Technologie vor Ort verankert. Vier Futtersilos prägen seit jeher das Bild des Stadtgutes für alle, die es auf der Straße von Dietach nach Steyr passieren. In ihrer formalen Eindeutigkeit sind sie deutlich stärker als der eigentliche Hof, der nach dem Verlust seiner Funktion nun etwas verloren in einem jener Technologieparks steht, in denen nachvollziehbare Ordnungsprinzipien dem Kreisverkehr und gestalterischen Bemühungen ambitionierter Einzelobjekte zum Opfer ge-bracht wurden.

Hertl.Architekten haben den ehemaligen Stall, der sich unmittelbar hinter den Silos erhebt, zu einem modernen Firmensitz umgebaut, dessen gläserne Eingangshalle die vier Zylinder aus Beton einer Vitrine gleich umschließt. Auf diese Weise abstrahiert und in Szene gesetzt ge-winnen die Silos neben der ihnen nicht abzusprechenden Prägnanz auch jene ästhetische Komponente, die man ihren Brüdern draußen in den Dörfern nicht gerne attestieren würde. Gefärbelt und mit Öffnungen versehen kehren sie nun das vertraute Bild des mächtigen Tur-mes hervor.

Indem Hertl.Architekten den markanten Zylindern aber auch innerbetrieblich wichtige Funkti-onen als Stiegenaufgang, Kaffeeküche, Besprechungsraum oder Sanitärzelle zugewiesen ha-ben, bleibt die Übung nicht nur leere Geste, sondern wird mit der Authentizität des Alltägli-chen erfüllt.

Landwirtschaft und Büro

Auch in dem an die zweigeschossigen Eingangshalle schließenden Haus ist die Verbindung zwi-schen der einfachen landwirtschaftlich genutzten Struktur der Vergangenheit und dem zu-kunftsorientierten Bürohaus mit seinem hohen Installationsgrad nicht abgerissen. Die Trags-truktur des Altbaues wurde übernommen, ebenso die Lage der Fenster, die jedoch zu raum-hohen Schlitzen erweitert nun zeitgenössischen Vorstellungen einer angemessenen Belich-tung entsprechen. In einem – bereits aufgestockten – ersten Obergeschoss weitergeführt, rhythmisieren sie den langen Baukörper, den das zweite Obergeschoss mit seinem auch über den Kopfbau geführten horizontalen Fensterband zusammenhält. Die Fenster haben Läden aus Streckmetall, die einen gewissen Sonnenschutz bieten und die Fassade im Wechsel von ge-schlossenen und geöffneten Flügeln mit einem zarten Schattenspiel beleben.

 Romana Ring 

Status
Gebaut

Steyr
2003-2004

Fotos
Paul Ott

Auszeichnungen
‘vis á vis’ Architekturpreis 2006

Team
Lothar Bauer
Marcel Schäfer
Josef Steinberger
Michael Schröckenfuchs
Gernot Hertl