Altstadthaus Schlüsselhofgasse

Vergangenheit mit Zukunft: Alte Bausubstanz wird neu adaptiert

Die Adaptierung historischer Bausubstanz für zeitgenössische Nutzungen ist schwer genug. Wenn sie auch unter Beachtung energietechnischer und ökologischer Aspekte gelingt, wird sie zu einem Vorbild für die Zukunft.

Das Architektenteam Hertl.Architekten aus Steyr hat an einem Wohnhaus in der Steyrer Schlüsselhofgasse nachgewiesen, dass die Forderung nach niedrigem Energiebedarf sowohl für die Errichtung als auch den Betrieb eines Gebäudes ebenso in Einklang mit den Anliegen der Denkmalpflege zu bringen ist wie andere moderne Nutzungsanforderungen. Denn der Zubau, welcher das Volumen des in seinem Ursprung mittelalterlichen Hauses verdoppelt, ist aus Holz – einem nachwachsenden Baustoff – konstruiert, während der Energiebedarf der Anlage auf einen Bruchteil gesenkt werden konnte.

Unverändertes Gesicht

Der Straße zeigt das Gebäude ein fast unverändertes Gesicht. Nur die beiden äußeren Fenster des in der Barockzeit mit einer Scheinfassade aufgestockten Hauses sind nicht mehr blind, sondern öffnen dem nun ausgebauten Dachboden zusätzlichen Ausblick auf den Fluss.

Beim Betreten des Gebäudes umfängt den Besucher durchaus mittelalterliche Atmosphäre. Ein geräumiges Vorhaus, dann ein Flur und ein Raum mit vier hölzernen Kastenfenstern bilden den Kern des überlieferten Bestandes. Auch der rechtwinkelig an das Hauptgebäude angesetzte, teils neu erbaute Trakt legt kein Gewicht auf genaue Datierbarkeit. Ein ehemaliger Schuppen wurde zum Schlafraum umgedeutet, weitere Zimmer reihen sich daran. Sie alle öffnen sich auf den ruhigen Gartenhof, den der steil aufragende Hang begrenzt. Eine Situation, die nachhaltig Gültigkeit hat.

Der Aufstieg über die lange Rampe, welche den Gang zu den Schlafzimmern flankiert, ist natürlich ein Weg ins Licht und in die wesentlich weitläufigeren Raumvorstellungen der Moderne. Ein L-förmiger Wohnraum nimmt unter Verzicht auf trennende Wände das gesamte Obergeschoss des Neubaues und den ehemaligen Dachboden des alten Hauses ein. Er öffnet sich zur Gänze verglast auf den Garten und überblickt mit seinen vorgefundenen Fenstern die Enns, sodass die Vielfalt der Stadtlandschaft zu einem wichtigen Bestandteil des Wohnens wird.

Romana Ring

Status
Gebaut

Steyr
2002-2003

Fotos
Paul Ott

Auszeichnungen
Architekturpreis Region Steyr 2009
Austrian Brick Award 2007
Häuser Award 2007
Landespreis für Umwelt und Natur 2004
Oberösterreichischer Holzbaupreis 2003
Umweltpreis der Stadt Steyr 2003